Akupunktur - Was ist das?

Akupunktur

HISTORISCHES:
Es ist nicht bekannt, wann genau die Akupunkturbehandlungen erstmals ausgeführt wurden. Es wurden in China Steinnadeln gefunden, die zu Heilzwecken eingesetzt wurden. Sie werden der Zeit des sagenumwobenen „Gelben Kaisers“ Huang Ti (2698-2598 v.Chr.) zugeordnet. Die ersten Metallnadelfunde (Gold- und Silbernadeln) gehen auf das 2. Jahrhundert v.Chr. zurück. Vor weit mehr als 2000 Jahren wurde in der traditionellen chinesischen Medizin die Vorstellung formuliert, dass im Körper eine Lebensenergie fließt, die die Grundlage allen Lebens darstellt und durch deren Bewegung Veränderungen bewirkt werden. In Indien heißt die Vorstellung dieser universellen Lebenskraft „Prana“; das indische Yoga baut auf den gleichen Vorstellungen auf. An die 100 Kulturen gehen von einer dem Leben zugrundeliegenden Lebensenergie (Lebenskraft) aus, die für alle Lebensvorgänge von Bedeutung ist und durch die bei Vorliegen von Störungen Krankheiten entstehen.

HINTERGRUND:
Dem chinesischen Ansatz folgend, fließt die Lebensenergie (das „Qi“) – ähnlich dem Blutkreislauf – über Energiebahnen (die „Meridiane“) in den oberflächlichen Schichten des Körpers. Jede Organfunktion und jeder Lebensvorgang drückt die Bewegung und das Wirken von „Qi“ aus. Die Art und Weise dieses Fließens bestimmt sowohl Muskelbewegungen, Körper-abwehr, psychische Vitalität und Aktivität als auch die Funktionsweise der inneren Organe wie Verdauung der Nahrung (Magen und Darm) und Atmung (Lunge).
Kann die Lebenskraft (das „Qi“) nicht ungehindert fließen, bedeutet dies eine Störung der Lebensvorgänge. Diese Störungen zeigen ihren Ausdruck oft in Form von Schmerzen, Verspannungen, Bewegungseinschränkungen, Nervosität, innerer Unruhe und vieles mehr. Organfunktionen können darüber hinaus sowohl durch Fehlernährung als auch durch verdrängte oder nicht bewusst wahrgenommene Gefühle chronisch gestört sein.

Akupunktur
WIRKUNGSWEISE:

Um diese Störungen zu beseitigen und Blockaden wieder zu lösen, kann Akupunktur oft sehr erfolgreich eingesetzt werden. Abhängig vom Krankheitsbild werden ganz bestimmte von insgesamt 372 Akupunkturpunkten auf den Meridianen genadelt (in oder auch durch die Haut). Dies wirkt harmonisierend und ermöglicht wieder ein (ungestörtes) Fließen des Qi, indem Schwäche angeregt, Fülle gedämpft und Blockaden gelöst werden. Damit ist Akupunktur letztlich Energiearbeit.

Das Nadeln selbst löst zunächst einen kurzfristigen Einstichschmerz aus, der jedoch durch diese manuelle Stimulation oft schnell in ein Schwere- und Druckgefühl übergeht oder auch zu einem Kribbeln bzw. einer leichten Elektrisierung an den Einstichstellen führt. Das Gefühl des Fließens der Lebensenergie kann nach einigen Minuten wahrgenommen werden, wenn – und das ist wichtig für den Erfolg der Akupunkturtherapie – der/die Patient/in „aktiv“ mitarbeitet, in dem er/sie sich entspannt, insbesondere durch eine tiefe, ruhige Atmung in den Brustraum. Die eigenen Gedanken sollten nicht festgehalten werden, das Aufbrechen verdrängter Gefühle nicht unterdrückt werden. Das innere Loslassen und Zulassen ist ein ganz erheblicher Erfolgsfaktor für die Akupunkturtherapie. Die Wahrnehmung des Fließens verändert sich im Laufe der Akupunktursitzungen und ist ein Zeichen für den Erfolg der Therapie.


BEHANDLUNGSABLAUF:

Die Behandlung wird zumeist in Serien von 10-12 Behandlungen bei durchschnittlich zwei Akupunktursitzungen pro Woche durchgeführt. Nach der ersten Serie erfolgt eine Pause von zwei bis drei Wochen. Je nach Schwere der Erkrankung können weitere Behandlungsserien erforderlich sein. Ist die Behandlung grundsätzlich abgeschlossen, sollte etwa nach drei Monaten eine Auffrischung von zwei bis vier Sitzungen erfolgen, um den Heilerfolg zu stabilisieren. Tritt die Erkrankung nach einer Zeit wieder auf, empfiehlt sich der frühzeitige Beginn eines weiteren Behandlungszyklus, der in der Regel um einiges kürzer ist als der erste.

Neben dieser „klassischen Form“ der Akupunktur wird bei der Elektroakupunktur mit Schwachstrom gearbeitet. Bei dieser Methode werden die tiefer im Gewebe liegenden Punkte zwar nicht erreicht, aber die Haut bleibt unverletzt. Bei der Moxibustion werden die Akupunkturpunkte durch Abbrennen von getrockneten Blättern der Beifußpflanze angewärmt.


KRANKHEITSBILDER:

Die wichtigsten Krankheitsbilder, die mittels Akupunktur erfolgreich behandelt werden, sind chronische Kopfschmerzen, Migräne, schwere und chronische Neuralgieformen sowie Trigeminusneuralgien. Auch bei Rückenbeschwerden aller Art, Ischiasschmerzen, Kreislaufproblemen, hohem Blutdruck, Hauterkrankungen, Allergien wie Heuschnupfen und Asthma, Depressionen und Angstzuständen, klimakterischen Beschwerden, Hüft- und Kniegelenkschmerzen, chronischer Schnupfen sowie Stirn- und Nebenhöhlenentzündungen und vielem anderen wirkt Akupunktur in den meisten Fällen hervorragend. Ebenso wird das Nadeln bei Geburtsvorbereitung und während des Geburtsprozesses eingesetzt. Auch in der Anästhesie zeigt die Akupunktur eine hohe Wirksamkeit.
Bei Erkrankungen mit chronischem Charakter wie Depressionen, Asthma, Bronchitis, Rheuma wird mittels Moxibustion, Gabe von Heilkräutern, gesunder Ernährung und chinesischer Atemtherapie die Lungenenergie und damit die Abwehrkraft der Atmungsorgane gestärkt.

Angelika Arndt HP, Wiesbaden

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